Viruserkrankungen
Virenarten
Bei Körnerleguminosen können verschiedene Virenarten auftreten, folgende sind für die Praxis von Bedeutung: Das Erbsen-Enationenmosaikvirus oder auch scharfes Adernmosaikvirus (Pea enation mosaic virus, PEMV) kommt in Deutschland am häufigsten vor. Es ist außerdem in Österreich sehr verbreitet.
Zudem treten seit einigen Jahren auch Nanoviren (Pea necrotic yellow dwarf virus, PNYDV) auf.
Sogenannte Luteo- oder Poleroviren treten ebenfalls vereinzelt auf. Hierzu zählen Bean leafroll virus (BLRV), Turnip yellows virus und Soybean dwarf virus. Außerdem gibt es noch sogenannte Potyviren und Carlaviren, deren Vorkommen jedoch eher zu vernachlässigen ist (siehe Tabelle unten).
Mit welchem Virus Pflanzen befallen sind, kann nur eine serologische Untersuchung im Labor (z.B. ELISA-Test) zeigen, da die Schadsymptome teilweise identisch sind. Dazu sollten die vor Ort zuständigen Pflanzenbauberater oder Pflanzenschutzämter zur weiteren Beratung angesprochen werden.
Symptome
Für Laien sind die verschiedenen Virenarten anhand der auftretenden Symptome kaum unterscheidbar. Generell sind Pflanzen, die von Viren befallen sind, vergilbt, im Wuchs gestaucht, ihre Blätter sind häufig verhärtet. Virusbefall tritt aufgrund der Übertragung durch Blattläuse in der Regel nesterweise im Bestand auf. Bei dem scharfen Adernmosaikvirus (PEMV) sind die Symptome am eindeutigsten erkennbar: Befallene Blätter zeigen aufgehellte Adern; junge, noch in der Entwicklung befindliche Blätter bleiben oft klein und verkrüppelt. Ältere Blätter können fast durchsichtig wirkende Blattsprenkelungen aufweisen. Es treten scharf abgegrenzte gelbe Flecken auf, die durchscheinend wirken, das sogenannte Fenstersymptom. Auf Hülsen und Blättern können Wucherungen (= Enationen) sichtbar sein. Vom Nanovirus (PNYDV) befallene Pflanzen sind im Wuchs stark gestaucht, die Blätter sind verkleinert und teilweise eingerollt. Pflanzen, die an Nanoviren erkrankt sind, weisen Verhärtungen des Zellgewebes auf. Die Folge sind Zwergwuchs, Blattdeformationen, Blattvergilbungen und spätere Nekrosen. Ein typisches Symptom ist auch das Absterben der Triebspitze bei einer frühzeitigen Infektion. Die jungen Pflanzen stellen das Wachstum ein und angesetzte Hülsen kommen nicht mehr zur Abreife Luteo-/Poleroviren sind von ihren Symptomen her vom scharfen Adernmosaikvirus kaum zu unterscheiden.
Bekämpfungsmöglichkeiten
Eine direkte Behandlung virusinfizierter Pflanzen ist nicht möglich, es können ausschließlich die Vektoren, also die Blattläuse, reguliert werden. Bislang gibt es noch keine resistenten Sorten. Eine frühe Infektion mit Viren verursacht in der Regel den größten Schaden, da oft keine erntefähigen Hülsen ausgebildet werden. Bei einer Spätinfektion werden in der Regel nur die oberen Hülsen geschädigt, was entsprechend geringere Ertragseinbußen mit sich bringt. Pflanzenbauliche Maßnahmen wie die Wahl eines möglichst zeitigen Aussaattermins scheinen daher einen Befall zu vermindern. Das Vorhandensein von Nützlingen hat ebenfalls einen Einfluss auf die Stärke des Befalls. Diese können aktiv durch Untersaaten und durch die Anlage von Blühstreifen gefördert werden. Anfällige Leguminosen wie Erbsen und Wicken sollten als Zwischenfrüchte vermieden werden. Eine weitere präventive Maßnahme ist der Anbau im Gemenge. Dieser erschwert den visuellen Anflug der Zielpflanzen für die Blattläuse und kann den Befallsdruck senken. Frühe Aussaatzeitpunkte und der Anbau von frühblühenden Sorten können ebenfalls die schwerwiegenden Ertragseffekte minimieren, da hier die besonders sensible frühe Phase der Legumuminosen nicht mit der Massenentwicklung der Blattläuse kollidiert. Besonders attraktiv für Blattläuse sind die Pflanzen, wenn es – bspw. durch Trockenheit – zu einem gestörten Assimilatabfluss kommt. Hier kann mit einer Bor Düngung Abhilfe geleistet werden.
Wenn ein Virusbefall bereits im Bestand aufgetreten ist, ist eine direkte Bekämpfung des Schaderregers nicht mehr möglich. Die Maßnahmen müssen daher die Vektoren regulieren, um die Ausbreitung im Bestand zu verhindern oder einzudämmen. Daher bleiben nur indirekte Maßnahmen, wie die Bekämpfung der übertragenden Blattläuse. Eine Blattlausbekämpfung mit Insektiziden kann die Infektionskette unterbrechen. Im ökologischen Anbau stehen -wenn überhaupt - nur Kontaktmittel zur Verfügung, diese müssen häufiger ausgebracht werden, was dann unter Umständen nicht mehr wirtschaftlich ist.
Die Züchtung von resistenten Sorten ist derzeit noch Zukunftsmusik – für PEMV gibt es diese bei Gemüseerbsen bereits. Für die Forschung sind derzeit noch viele Fragen offen zum Beispiel wie die Überwinterung des Virus vonstattengeht, ob es weitere Blattlausarten gibt, die die Viren übertragen, und durch welche Anbaustrategien, die Ausbreitung vermindert werden kann.
Text: Kerstin Spory & Magdalena Rangs
Weblinks
JKI: Pea necrotic yellow dwarf virus (PNYDV), ein Nanovirus
LeguNet: Pflanzenschutzhinweise Hülsenfrüchte
